Hersteller Pianofortefabrik St. Petersburg

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich das Zentrum des russischen Kulturlebens nach Sankt Petersburg verlagert. So ist es mehr als verständlich, dass Hersteller und Verkäufer von Tasteninstrumenten ihre Manufakturen, Fabriken und Geschäfte im Laufe des 18. Jahrhunderts in St. Petersburg eröffneten.

Die erste Klavierfabrik in Russland wurde 1810 in St. Petersburg von dem aus Braunschweig stammenden Fridrich (Fiodor Fiodorovich) Diederichs (1779 – 1846) gegründet.
R. A. Diederichs (weitere Handelsnamen: russisch: Братья Дидерихс, Gebrüder Diederichs oder Diederichs Freres) war Russlands älteste Klavierfabrik.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich  Sankt Petersburg zum Zentrum des russischen Klavierbaus. 60 Manufakturen und Fabriken für Klavierbau gab es zu dieser Zeit in der Hauptstadt des russischen Kaiserreichs.

Bis auf wenige Ausnahmen waren vor allem deutsche Handwerker daran beteiligt, dass Sankt Petersburg der russische Mittelpunkt des Klavierbaus wurde, darunter die Pianofortehersteller Diederichs (s.o.), Mühlbach, Becker, Lichtenthal, Tresselt, Ihse oder Wirth.

Sinkende Stückzahlen und die Ausweisung Deutscher aus Russland mit Beginn des Ersten Weltkrieges und die Folgen des russischen Bürgerkrieges führten dazu, dass zwischen 1917 und 1918 die renommierten Pianofortefabriken in Sankt Petersburg für immer geschlossen wurden.

Später wurden noch vorhandene Anlagen verstaatlicht und der großen staatlichen Pianofabrik „Roter Oktober“ eingegliedert, die ab Anfang der 1920er Jahre als Nachfolger von Jacob Becker produzierte.

Jakob Becker war ein deutschstämmiger Klavierbauer. Sein 1839 eingereichtes Patent auf den im Flügel verbauten Eisenrahmen, welcher die Saiten trägt, machte die Instrumente haltbarer und leichter stimmbar und somit für den Vertrieb erfolgreich. Weitere Patente und fünfjährige Schutzdauern auf seine Erfindungen ließen seine 1841 in Sankt Petersburg eröffnete Fabrik schnell wachsen. Zeitweise war J. Becker die größte Klavierfabrik in Russland. Seine Innovationen und Kunstfertigkeit übten einen erheblichen Einfluss auf die russische Kultur und die Klavierindustrie des 19. Jahrhunderts aus.

Ab 1896 wurde die Fabrik J. Becker Hoflieferant Seiner Majestät der Kaiser von Russland und Lieferant für Ihre Majestäten der Kaiser von Österreich, König von Dänemark, der norwegische König, der König von Schweden. Dem Unternehmen Becker wurden zwölf Auszeichnungen, Medaillen und Diplome auf Messen und Ausstellungen verliehen.

Franz Liszt, Clara Schumann, Hans von Bülow, Pjotr Iljitsch Tschaikowski oder Claude Debussy und viele bekannte Größen spielten auf Becker-Pianos.

Im Jahre 1903 wurde die Fabrik von der ebenfalls in Sankt Petersburg wirkenden K. Schroeder Pianofortefabrik gekauft, doch der neue Besitzer war als Deutscher 1914 gezwungen, das Land zu verlassen.

1918 wurde die Fabrik von den sowjetischen Behörden verstaatlicht.

Ab 1991 wurden dann in der St. Petersburg Piano Factory wieder Pianos unter früheren Markennamen wie z.B. Becker hergestellt.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter folgenden Links: Sankt Petersburg, Jakob Becker und Pianofortefabrik Mühlbach, R. A. Diederichs, oldpiano-history

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